Rita WH-Mix

Rita ist kastriert und wahrscheinlich Anfang 2020 geboren.

Rita wurde als Welpe gefunden... mit ihren Geschwistern... dann sind sie nach Deutschland gerettet worden und als sie größer und größer wurden, wundert die Tierschützer sich mehr und mehr über ihr Verhalten. Sie waren und blieben scheu! merkwürdig scheu...

Ein Gentest bestätigte dann die Vermutung. Da hat ein Wolf mitgemischt! Wann und wo oder in welcher Generation oder ob es Liebe war oder nur die Liebe eines Züchters zum Geld? Wer kann es wissen? 

Rita ist von den drei Schwestern mir Abstand am allerscheuesten.

 

In dem Tierheim, dass ihre letzte Station war, hatte man sie separiert in einem oben geschlossenen Zwinger halten müssen, da sie sich sonst auf und davon gemacht hätte.. als wir sie abholten, wurde sie mithilfe einer Fangstange daraus geholt und in unsere Box im Auto gepackt. Dann hatten wir fast 700km gemeinsam vor uns. dafür haben wir fast 12 Stunden gebraucht, da es Nachts war und uns ständig die Augen zufielen. Rita hat die ganze Fahrt über weder Trinken noch essen angerührt oder auch nur eines Blickes gewürdigt. Aber ich konnte sie durch das Gitter streicheln (Ich kann sowas einfach nicht lassen) und war sehr glücklich, dass sie weder wegguckte noch nach mir schnappte -sie sah mich an und lies es zu.

Bei unserer Ankunft morgens gegen 7.00 habe ich mich erstmal mit Rita in unser sogenanntes Aquariumzimmer gelegt und wir haben beide noch etwas Schlaf nachgeholt. Wir haben in allen zimmern Betten und so war es auch für mich nicht unbequem. Und tatsächlich hüpfte sie zu mir ins Bett und teilte sich mit mir ein paar Kokoschips... ja merkwürdiges Frühstück... für uns beide!

Ich beschloss dass sie nie wieder eine Schlinge um den Hals würde tragen müssen. Geschweige denn ein Halsband... ich beschloss, dass ich für Rita alle Zeit der Welt haben werde, damit sie ganz in ihrem eigenen Tempo Vertrauen zu uns aufbauen kann. Das ich sie niemals zu etwas werde zwingen müssen... aber leider kommt es immer anders als man sich das manchmal so schön vorgestellt hatte...

Rita hat sich die Pfote im gekippten Fenster eingeklemmt. Von Katzen weiß ich sowas ja, aber bei Hunden habe ich das noch nicht erlebt... (nach 20 Jahren und 6000 Hunden) habe ich von sowas noch nicht gehört gehabt... man lernt ja bekanntlich nie aus, aber ich -und Rita erst- hätten gut und gerne darauf verzichten wollen, was dann kam.

Sie hing fest! Im gekippten Fenster! Zum Glück haben wir es sofort bemerkt, sonst hätte die Pfote auch absterben können, klärte unsere Tierärztin uns später auf. Wie sollten wir sie da nun befreien? Sie hing da im Fenster -hatte sichtlich Schmerzen und biss um sich! Schnappte sofort in unsere Richtung! Aber sie sagte keinen Mucks dabei! Knurrte nicht! Schrie nicht, quietschte nicht! Sie litt einfach stumm und hasste uns... ich litt mit ihr...

Es nützte nichts... wir mussten die Fangstange benutzen! Mit der Schlinge um den Hals hoben wir sie aus ihrer Falle. Sie biss in die Fangstange, die bis dato noch nie zuvor zum Einsatz gekommen war bei uns... als wir sie endlich befreit hatten, mussten wir sie weiter absichern um sie, ohne selber verletzt zu werden, sofort zum Tierarzt schaffen zu können. Mit Hilfe eines Zaunstücks haben wir sie an der Wand fixiert, um ihr einen Maulkorb überziehen zu können, ohne gebissen zu werden. Mir liefen hemmungslos die Tränen übers Gesicht...

Endlich war sie gesichert und ich saß mit ihr zwischen meine Beine geklemmt auf dem Beifahrersitz. Unsere Tierärztin ist bereits informiert gewesen und wußte auch, dass eine Narkose wenig Sinn machen würde, da wir ihr die Info hatten zukommen lassen, dass Rita bei ihrer Kastration bereits in Vollnarkose versucht hatte vom OP-Tisch zu springen... Wolfhund eben...

Dann habe ich Rita meine Wasserflasche angeboten und sie trank! Das hat mich so unwahrscheinlich beruhigt, dass ich gleich wieder zu heulen begann. 15 Minuten später waren wir in der Praxis...

Die kommenden Wochen hatte Rita rund um die Uhr einen Maulkorb auf der Nase und einen Trichter um den Hals. Der Hund, den ich zu nichts mehr zwingen wollte, musste täglich von uns eingefangen werden und die Pfote in Jod gewaschen bekommen und mit verschiedenen Salben behandelt, sowie Schmerzmittel verabreicht bekommen.

Jetzt, während ich das schreibe sitzt sie hinter mir auf dem Bett und betrachtet mich ruhig... das entschädigt mich etwas für die vielen grauenvollen Momente mit ihr! Ich hoffe es geht ihr auch ein wenig so...

Grauenvoll war es nicht, dass sie versuchte mich zu beißen, dass sie mich anwinkelte oder anschiss bei dem Versuch sie festzuhalten... Das ist Tierschutz! Das nimmt man in kauf! Grauenvoll ist einfach nur, dass sie so litt...

aber irgendwas ist da zwischen uns... nach all dem... wenn ich sie ansehe... sie sieht mir direkt in die Augen! Sie senkt den Blick nicht! Sie sieht mir direkt in die Seele! Und dann blinzelt sie mir zu... irgendwas sagt mir sie hat es verstanden...

und neulich konnte ich sie streicheln... dieses Glück ist unbeschreiblich... auch das ist Tierschutz! Deswegen mache ich das!

Wer sich für Rita ernsthaft interessiert, hat bitte ein gut eingezäuntes, großes Grundstück mit noch ein paar anderen Hunden... oder ein Blockhaus in Kanada weit weit weg von der Zivilisation... seufz