Es war einmal...

Eines schönes Tages war ich im Internet unterwegs und habe mich über Wolfhunde Informiert als ich auf eine Seite von einem Züchter gestoßen bin. Auf dieser Seite wurde, wie bei jedem anderen Züchter auch, die eigene Zucht hochgepriesen, die Umstände der Zucht beschrieben und wie toll doch alles sei. Ich habe mich so durchgeklickt und über Wurfmeldungen bin ich dann auf die Seite gekommen die mein Leben grundlegend Verändert hat. Da waren ganz viele kleine Welpen die alle total süß aussahen. Und schon war es passiert. Ich sehe mich heute noch die Email schreiben das ich an einem ganz speziellen Exemplar Interesse habe. Es dauerte keine 12 Stunden, da hatte ich die Antwort und eine Beschreibung wie das alles ablaufen würde. Gesagt - Getan.  Einige Wochen später habe ich dann die Fahrt von 600km auf mich genommen und habe das kleine Fellknäuel abgeholt. Freudig und absolut gutgläubig bin ich dabei aber in was geraten was mich heute in die Verzweiflung bringt...

Wolf im Hundepelz

Erst einmal: Ja , diese Welpen sehen aus wie Wolfswelpen. Man kann kaum erkennen welche Farbe sie haben werden. Dies zeichnet sich durch die Elternteile ab. Leider hatte ich keine Zeit mir die Elternteile anzuschauen da wir eine ziemlich weite Strecke zurücklegen mussten. Mit Pausen etc. ging es dann auch ganz gut. Die ganze Fahrt über lag das kleine Knäuel auf meinem Arm und sabberte sich die Seele aus dem Leib. 

Das dies der Anfang vieler Kämpfe sein sollte und das alles irgendwie mit gewöhnlicher Hundeerziehung nichts mehr zu tun hat, ist mir erst heute bewusst.

Ein Wolfshund ist ein Überraschungsei. Niemand weiß was es wird, bis das Tier ins Erwachsenenalter kommt. Es gibt Besitzer die Glück haben und kaum Probleme. Dann gibt es aber eben auch noch die Hunde, über die keiner Sprechen will oder wo die Leute nur die Nase rümpfen: "Der Halter ist Schuld“… Nein! Es gibt Dinge, die man Tieren nicht beibringen kann, wenn sie tief im Instinkt anders verankert sind... Doch auch die restliche Umwelt ist nicht einfach zu einem Tier das nach Wolf aussieht. Alle sind mit dem „Der große Böse Wolf" Märchen aufgewachsen und das merkt man spätestens dann wenn man so ein Tier Zuhause hat.

Küsschen!

Mein Wolfshund dreht ziemlich am Rad, wenn seine Menschen wieder zurück sind. Dann springt er so lange zum Mund und lehnt sich an, dass es wirklich belastend wird. Das konnten wir ihm NIE abtrainieren - nie! Egal was wir gemacht haben, welche Methoden wir nachgelesen haben oder uns mit anderen Besitzern ausgetauscht haben. Noch heute springt er einem ins Gesicht und schleckt über den Mund, lehnt sich an und freut sich seines Lebens, dass sein Mensch wieder Zuhause ist. Mittlerweile habe ich gelernt, dass es eben dazu gehört…

Hundeschule

"Nein also, das ist ja kein Hund, den wollen wir hier nicht…“ - solche und ähnliche Aussagen haben wir damals auf dem Land bekommen. Es gab keine Möglichkeit in Fußreichweite eine Hundeschule zu finden die sich bereit erklärte das ein Wolfshund mitmachen durfte. Selbst das Angebot mehr Geld zu bezahlen wurde abgeschlagen. Soviel zum Thema "Tierliebe". Das war zum Teil so grotesk, dass man mir das eh nicht glauben würde, wenn ich es hier berichtete.

"Mach Sitz" - oder auch "Ich hab keinen Bock"

Ein Wolfshund testet jederzeit - und wenn der keinen Bock hat ‚Sitz‘ zu machen, tut er das nicht. Selbst mit Lieblingsspielzeug und Leckerchen steht man dann doof da. Oder er macht Platz statt Sitz. Sieht er keinen Sinn darin - macht er das nicht. Punkt. So zumindest ist es bei meinem Wolfshund. Wenn er gute Laune hat geht er prima mit - hat er keine Lust, guckt er nur Lustig so nach dem Motto: “Warum? Nerv mich doch jetzt nicht".

Jagdinstinkt Deluxe

Ein Wolfshund ist nahe am Wolf… Meiner ist augenscheinlich ziemlich nahe dran und würde gerne mal richtig Jagen. Aber das darf er natürlich nicht. Was das ‚Gassigehen‘ so ziemlich erschwert. Auf dem Land -Felder- und überall sind da Tiere -bedeutet: ‚Frei laufen lassen‘ ist nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen -wenn der Wind richtig steht oder man echt sicher sein kann, dass da nichts ist was er jagen kann.

Und erst die Wildlosungen… Kaum das er eine Witterung hat, geht er in die entsprechende Richtung oder wälzt sich in den Hinterlassenschaften die er dort finden kann. Wunderbar -wenn man einen außerdem noch wasserscheuen Hund erwischt hat, der dann stinkt wie eine Kloake.

Tierarzt

"Also , da trau ich mich nicht ran" - Tatsächlich haben wir diese Aussage ebenfalls gehört und mussten uns einen anderen Tierarzt suchen. Keine Ahnung warum… aber es gibt nun mal Menschen die einem Tier, das aussieht wie ein Wolf, nicht viel abgewinnen können.

Unterwegs

Der Hingucker -absolut - wenn ein Wolfshund durch die Straßen geht. Alle Blicke sind auf einen gerichtet. Auf dem Land ziemlich scheiße! Ich habe irgendwann erfahren, dass meine Nachbarn sehr viel Angst vor meinem Hund haben. Warum? Weil er aussieht wie ein Wolf. Er ist nie negativ aufgefallen, hat nie jemanden gebissen oder angebellt - nix!  So tief sitzt die Angst des Menschen teilweise noch vor Wölfen…

Autofahren:

Mein Wolfshund fährt kein Auto. Er kotzt Auto. Ja, das ist nicht übertrieben! Wir haben das jahrelang versucht mit Training, ohne Erfolg. Kaum, dass er das Geschirr anhat, und es in Richtung Auto geht, fängt er das Kotzen an. Im Auto selbst sabbert er sich die Seele aus dem Leib und wird richtig seekrank. Keine Chance! Selbst mit Medikamenten kommt man da nur bedingt weiter... 

Doch was tun wenn man zum Tierarzt muss? Oder in den Urlaub fahren möchte mit dem Tier? Wenn es mal einen Notfall gibt? Mit solchen Fragen sah ich mich konfrontiert -darauf bereitet einen keiner vor. Weder Tierhalter noch Tierzüchter... Und bevor der werte Leser sich fragt, wie ich mich entschieden habe, gebe ich die Antwort: Ich bin nicht mehr in den Urlaub gefahren und habe diese Tortour zum Tierarzt zu fahren nur zwei mal im Jahr auf mich genommen...

Alleine sein

Es ist schön zu sehen, dass viele Menschen die einen Wolfshund haben, diesen auch mal alleine lassen können. Es gibt aber, viele, wie mein Exemplar, die partout nicht alleine sein können. Es wurde mit Training simuliert… aber ohne Erfolg. Lässt man ein Rudeltier alleine, dreht es ziemlich frei -zumindest bei meinem Hund ist das der Fall. Er zerlegt die Einrichtung, heult und ruft nach dem Rudel und ist alles nur nicht entspannt. Das Ende vom Lied? Er muss nicht mehr alleine sein, weil immer jemand Zuhause ist. IMMER! Macht das Leben echt nicht einfacher…

Kinder

Kinder sind toll - manchmal ungeplant und doch gewollt. Das Problem ist, dass man sich nicht sicher sein kann, dass der Wolfshund sie auch mag. Wir haben ein Kind und zusammen spielen war am Anfang kein Problem. Nur -irgendwann wird der Wolfshund groß und will weiter mitspielen -weiß aber nicht wie schwer er ist. Das führt zu Problemen. Leider. Man sollte also genau überlegen wenn man Kinder hat, ob man sich einen Wolfshund zulegt. Meist geht das am Anfang gut aber nachher? Wenn man da nicht ordentlich erzieht… ganz schlechte Karten!

Besuch - Alarm!

Jeder Mensch hat einen gewissen Bekanntenkreis. Dieser hat sich nach dem Kauf des Hundes bei mir mehr als nur halbiert -eher in Luftaufgelöst. Mein Hund hat nämlich Angst vor Besuchern vor allem wenn sie männlich sind. Wir haben das im Welpenalter schon beobachten können, da hatten wir noch Besuch. Er kläffte, pinkelte unter sich und verschwand. Training, mit Freunden, die zu Besuch kamen, hat nicht geholfen. Es ist heute noch so, dass, wenn ein Mann klingelt, mein Hund vor Panik alles fallen lässt und sich unterm Bett Verkriecht... mit 40Kilo Lebendgewicht ist das schon eine Leistung!

Nur was tun, wenn man einen großen Bekannten- und Familienkreis hat und der Hund reagiert immer so, trotz intensiven Trainings? Tja... wir haben irgendwann aufgehört Leute einzuladen und immer wenn eine Feier anstand ist einer von uns alleine zurück geblieben mit dem Hund damit dieser nicht die Einrichtung zerlegt. Das ist ein ziemlich einsames Leben...

Gassipartner - Nein Danke

Mein Hund hat keinerlei Probleme mit anderen Hunden. Er mag sie recht gerne und spielt auch gerne mit anderen Artgenossen. Leider ist das je nach Umgebung nicht möglich. In der Gegend in der wir gewohnt haben wollte keiner mit meinem Hund zusammen Gassi gehen. Der große Böse Wolf zerbeißt doch sicherlich den Schäferhund und so ähnliche Geschichten… Es war ziemlich einsam -und ist es immer noch… Viele haben echt Berührungsängste -auch wenn ich selbst auf die Leute zu gehe und ihnen zeige, dass der Hund keine Gefahr ist - wir haben da keine Chance erhalten und sind immer alleine durch die Gegend gestromert.

Das Internet

Das Internet ist voller Lustiger Bilder und schönen Gruppen in den sozialen Netzwerken. Nur leider wird nicht über die Problemhunde gesprochen. Aber: es wird über die Züchter gesprochen! Ich habe im Nachhinein erfahren, dass der Züchter meines Hundes ein sog. Vermehrer ist. Bedeutet: Denen ist das Geld wichtiger als die Tiere. Leider habe ich da mehr als nur einen Beweis für bekommen. Und schon sind meine Gewissensbisse da, dass ich solche Menschen unterstützt habe. Natürlich würde ich meinen Hund um nichts auf der Welt hergeben oder missen wollen. Doch: Hätte ich mich ja vorher mal genauer informieren können, über diese Zucht, oder?

Gewitter und Silvester

Viele Hunde empfinden Silvester als Unangenehm -mein Wolfshund verfällt in ziemliche Panik und versteckt sich zu meinen Füßen. Egal wo die zu diesem Zeitpunkt sind. Ob unterm Schreibtisch, unterm Bett oder in der Dusche -egal! Ob Gewitter oder Silvester: gar nicht gut! Geht wenn überhaupt nur mit geschlossenen Rolläden . Allgemein sind laute Geräusche und vor allem Knallgeräusche bei meinem Hund nicht so erwünscht . Auch in Alltagssituationen ist er da ziemlich schreckhaft. Ich wusste, dass Hunde das nicht sonderlich mögen aber dass ein Hund so reagiert war für mich auch ziemlich neu.

Das Schicksaal ist ein mieser Verräter Teil 1

Wie das so ist, sind unsere, menschlichen Lebensweisen sehr schnell geworden. Da kommt es dann auch vor, dass schnell mal der Beruf gewechselt wird und/oder ein Umzug ansteht. Doch... was tun wenn man keine Wohnung findet?

Halten wir mal fest.  Das erste mal, als wir eine Wohnung mit Wolfshund gesucht haben, haben wir 9 Monate gebraucht. Mittlerweile ist es in Deutschland sehr schwer geworden eine Bleibe zu finden. Selbst wenn der Hund nicht bellt und sauber ist. Die meisten Vermieter wünschen sich Nichtraucher, ohne Haustiere, ohne Kinder, die dazu noch den gesamten Tag Arbeiten und quasi nie Zuhause sind. Am besten noch Wochenendheimfahrer dazu... kein Witz! Wir haben so lange gesucht, dass uns die Alternativen und das Geld ausgegangen sind. Doch -irgendwann- kam dann doch der Tag wo sich jemand erbarmt hat.

Doch was tun bei Krankheit? Trennung? Das sind Fragen, mit denen man sich definitiv auseinandersetzten MUSS!

Das Schicksal ist ein mieser Verräter Teil 2

Leben ändern sich. Manchmal auch so wie wir das nicht unbedingt wollten. Ehen zerbrechen -Menschen trennen sich voneinander. Und was dann? Mit einem Tier, dass nicht alleine sein kann? Erneute Wohnungssuche ohne Erfolg? Mittlerweile hat sich bei uns einiges verändert und das nicht gerade zum Guten. Erneut habe ich monatelang nach einer Bezahlbaren Wohnung MIT Haustier suchen müssen, aber keine gefunden. Da ich ab einem gewissen Zeitpunkt auf der Straße sitzen würde gab es nicht mehr viele Alternativen. Also: Wohnung ohne Haustier gefunden... doch was jetzt? Was nun?

Nicht jedes Tierheim nimmt einen Wolfshund auf. Entweder sind sie voll, haben keine Erfahrung oder das Gelände ist für solche Hunde nicht ausgelegt. Halten wir mal fest: Die springen schon verdammt hoch! Ausbruchsprofis! Wie Wölfe finden sie schnell die Schwachstelle in einem Gehege und nutzen sie zur Flucht.

Verzweifelt Pflegestelle gesucht!!!

Wer denkt das eine Pflegestelle zu finden einfach ist - der täuscht sich aber gewltig. Ein Wolfshund ist kein normaler Hund. Und hat spezielle Bedürfnisse. Leider ist es entsprechend schwierig eine Pflegestelle zu finden…

CAMCHATCA

Auffangstationen wie CAMCHATCA sind super Einrichtungen, nur leider überschwemmt der Markt mittlerweile alle und selbst solche Stationen geraten an ihre Grenzen. Sie versuchen alles und helfen wo es geht, aber sind kein Garant, dass wenn das Leben gegen einen spielt der heißgeliebte Wolfshund gut unterkommt. Zu wenig Menschen helfen solchen Stationen, machen sich vorher schlau oder adoptieren einen abgegebenen Hund. Und es werden immer mehr. In der Vergangenheit und in der Zukunft wird es immer mehr Menschen geben mit Wolfshund und immer mehr Menschen werden an ihre Grenzen geraten. Am Ende sitzt das Tier im Tierheim oder wird aus Verzweiflung ‚freigelassen‘ - was gar nicht geht!

Zusammenfassung

Ich wollte immer einen Hund und habe ihn bekommen. Meine Leidenschaft für Wölfe hat mich zum Wolfshund gebracht -was Treueres und Loyaleres kann man sich tatsächlich nicht vorstellen. Mittlerweile habe ich aber festgestellt , dass ich mehr als nur einen Fehler gemacht habe. Das fängt schon bei der Überprüfung der Zucht an und hört bei anderen Sachen auf. Ich habe das Tier übernommen mit der Überzeugung das es bis zu seinem Tod bei mir sein kann. Aber das Leben ist anders. Leider. Ich muss mein Tier jetzt abgeben, da ich keinerlei Pflegestelle finde und keine Wohnung gefunden habe. Die Alternative wäre gewesen auf der Straße zu leben, was ich aus gesundheitlichen Gründen nicht kann.

Ich kann nur jedem raten: denkt nach! Schnellschüsse machen euch nicht glücklich und den Hund auch nicht. Wer einen normalen Hund erwartet - den kann ich gleich warnen: Nein! Ein Wolfshund ist ein Wolf im Hundepelz. Schaut euch diese Rasse live an! -nicht nur die paar Vorzeige-Wolfshunde, die man so im Internet findet und die alles mitmachen. Schaut euch die Problemwolfshunde an!

Aber nicht nur das: Denkt darüber nach in welcher Situation ihr seid und ob sich daran in den nächsten Jahren was ändern kann. Was ist wenn der Vermieter jetzt auf einmal sagt ihr müsst aus eurer Wohnung raus wegen Eigenbedarfs? Habt ihr Möglichkeiten mit Hund irgendwo unterzukommen? Ist der Job sicher? Ist die Beziehung glücklich? Gesund? Besteht ein Kinderwunsch? Urlaub fahren? Bereit Opfer zu bringen und z.B. Freunde nicht mehr allzuoft zu sehen wenn der Wolfshund ein Problem damit hat? Nein? Dann lasst das mit dem Wolfshund. Das sind alles Faktoren, die am Ende mit eingerechnet werden müssen.

Man muss da ehrlich mit sich ins Gericht gehen. Das Leben mit einem Wolfshund kann wunderschön sein, ist es auch, egal wie kompliziert das Tier auch ist. Aber man muss Opfer bringen auf die ein oder andere Weise. Und selbst wenn man dann sagt: "Ich geh auf die Straße mit meinem Tier". Über so etwas muss man Nachdenken bevor man sich einen Welpen holt…

Informiert euch über die Züchter, schaut aber doch auch mal bei CAMCHATCA vorbei und lasst euch über diese Tier wirklich aufklären. Diese Möglichkeit gibt es heute! Lernt: was ist ein Wolfshund und was kommt auf euch zu?

Dieser Erfahrungsbericht ist ein sehr kleiner Einblick in das Leben mit einem Wolfshund, der heute als "Problemhund" dasteht. Natürlich gibt es massenweise Tiere, die nicht solche Probleme machen -jedoch: nochmal! Jeder Wolfshund ist anders und keiner weiß genau, was am Ende daraus wird… 

Unterstützt die Auffangstationen und Tierheime -macht euch selbst schlau, hinterfragt Züchter und euer eigenes Anliegen mehrfach und seid euch sicher, dass ihr vor das ein oder andere Problem gestellt werdet das ihr mit einem herkömmlichen Hund nicht haben würdet.

Alles in allem - liebe ich diese Rasse - doch ich würde mir keinen mehr holen! Wölfe gehören in die Natur und nicht ins Wohnzimmer!!!