Jango AWH Mix

Wir haben Jango im Sommer 2019 kennengelernt. Sein Besitzer war desillusioniert.

Er war soweit gekommen! Hat diesen Hund so gut hinbekommen, nachdem der schon durch einige Hände gereicht worden ist und gar nicht genau bekannt ist, wo er eigentlich herkommt, geschweige denn was er für einer ist!
Jango ist wundervoll! Jango ist wunderschön! Jango ist super verträglich! Jango ist verschmust. Jango tut nix. Jango hört gut. Jango ist einfach nur ein Traum!
 
Aber
 
Jango kann nicht alleine bleiben und nicht im Auto mitfahren ohne Erbrechen.
 
Und wenn man in einem Naturschutzgebiet wohnt, bekommt man keine Erlaubnis einen wolfhundesicheren Zaun zu bauen! Nein! Bekommt man nicht! Der wäre zu hoch!
Wenn man Zuhause arbeiten würde, wäre das auch gar nicht so schlimm, aber dem ist nun mal nicht so und dann leidet auch die Beziehung, wenn man nie gemeinsame Zeit verbringen kann, sondern immer nur abwechselnd der Hund gehütet werden muss…. Der Hund, der nirgendwo mit hin kann, weil er jedesmal ins Auto kotzt...
 
Wir machten einen Deal! Jango bleibt als Hotelgast bei uns und er und seine Frau versuchen eine neue Bleibe zu finden, in der die Haltung von Jango möglich sein würde. Als Gegenleistung führt er auf unserem Hof einige Arbeiten aus, die eben nur ein echter Zimmermann erledigen kann -den wir uns sonst gar nicht leisten könnten!
 
Ein Jahr später sieht die Welt leider ganz anders aus! Nicht nur das Corona es erschwert ein neues Haus zu finanzieren, auch die Frau ist jetzt nicht mehr da und so musste Jangos Besitzer sich schweren Herzens eingestehen dass Jango nicht mehr zu ihm zurückkommen werden würde.
 
Noch bevor wir nun Jango in die Vermittlung aufnahmen, erreichte uns folgende Email:
 
Sehr geehrte Familie Hein,
 
zunächst einmal möchte ich ihnen meinen Dank und meinen Respekt bezüglich ihres Engagements i.S. Wolfshunde ausdrücken! Sie leisten ganz offensichtlich Fantastisches und nach ihrem Internetauftritt zu urteilen, haben sie bereits sehr vielen Wolfshybriden eine adäquate Zukunft verschafft.
 
Doch kommen wir zu meinem eigentlichen Anliegen. Ich kontaktiere sie auf diesem Weg aufgrund ihres Internetauftritts, den ich bei meinen Recherchen in den letzten Wochen/Monaten gefunden und immer wieder aufs Neue besucht habe. Kurzum, ich befasse mich intensiv damit, einem Wolfshund ein neues Zuhause oder zumindest eine Pflegestelle zu geben und so nach Kräften ihr beeindruckendes Engagement zu unterstützen. Ich betrachte mich dabei als ambitionierten Anfänger auf dem Gebiet der Wolfshundehaltung, obgleich ich bereits ein Jahr den Alltag mit einer AWH-Mix-Hündin (und ihrer menschlichen Rudelführerin) verbringen durfte und meine Kindheit/Jugend mit Schäferhund und Neufundländer teilte. Ich bin insofern kein Neuling in der ‚normalen' Hundehaltung. Dennoch: Mir sind die Wesenszüge der üblichen Haushunde durchaus bekannt, aber sie war einfach anders‚ present, liebevoll, schlitzohrig, treu, anhänglich, zurückhaltend, neugierig und mutig zugleich‚ eine solch tiefe Verbindung zu einem Hund, die auf reiner Beziehungsebene existierte, war mir neu und hat mich nachhaltig verzaubert. Hierin liegt auch die Antwort auf die Frage. ‚Warum ausgerechnet ein Wolfshund?' Leider trennten sich die Wege wieder, da die Rudelführerin zurück in die USA reiste und ich sie als alleinerziehender Vater zweier schulpflichtiger Söhne nicht begleiten konnte. Das war nunmehr vor ziemlich genau einem Jahr und seither verging kein Tag, an dem ich nicht an diese völlig neue Welt der ‚Hund-Mensch-Beziehung' denken und sie vermissen musste. Ich habe mich seither regelmäßig mit dem Thema Wolfshybriden befasst und so entwickelte sich mein Entschluss mehr und mehr, einen Wolfshybriden begleiten zu wollen bis hin zum heutigen Tag, an dem ich ihnen diese Zeilen schreibe.
 
Seit einem Dienstunfall vor 2 Jahren bin ich dauerhaft dienstunfähig und warte nun auf meine Frühpensionierung. Dadurch habe ich im Grunde auch 24/7 Zeit, was ich grundsätzlich als absolute Voraussetzung für die Aufnahme eines Wolfshundes‚ sei es nun zur Pflege oder dauerhaft‚ sehe. Klar, auch ich habe meine 1-2 Termine im Monat, muss einkaufen gehen, habe eine Haushalt zu führen und last but not least meine beiden Jungs zu fördern und zu fordern. Darüber hinaus habe ich aber am Ende der Pflicht noch genug Zeit für die Kür.
 
Meine Wohnsituation ist nicht unbedingt ideal bzw. nicht passend für jeden Typ Wolfshund, dessen bin ich mir bewusst ‚ich wohne zur Miete (Einverständnis der Vermieterin liegt vor) in einer 120qm-Wohnung. Bedingt durch die Hanglage ergibt sich auf Gebäuderückseite eine ‚ebenerdige Terrasse mit Garten, leider jedoch nicht umzäunt. Was ich also leider nicht bieten kann, ist die Aufnahme eines reinen ‚Gehege-Tiers. Allerdings wohne ich in absolut ländlicher Gegend und habe so die Möglichkeit, meinen etwaigen Begleiter mehrmals täglich auszuführen. Sehr gerne würde ich auch mit der entsprechenden Geduld an einer (Re-)Sozialisierung arbeiten.
 
Ich möchte nochmals betonen, ich betrachte mich auf dem Gebiet der Wolfshundehaltung als ambitionierter Anfänger, obgleich ich bereits ein Jahr mit einer Wolfshund-Dame verbracht habe. Sie war damals 10 Jahre alt und bereits erfolgreich sozialisiert. Ich glaube, es wäre vermessen, dies als einschlägige Wolfshundeerfahrung darzustellen. Aber ich möchte schließlich mit offenen Karten spielen.
 
Ich hatte anfangs auch mit dem Gedanken gespielt, einen WH-Welpen vom Züchter zu erwerben, allerdings bin ich, schockiert von den vielen vielen Wolfshunden in Tierheimen und bei tollen Menschen wie ihnen geradezu schockiert gewesen. Ich kann auch nicht wirklich nachvollziehen, wie man auch nur einen einzigen Züchter bei dessen Wurfplanung unterstützen kann, wenn es doch bereits so viele arme Seelen in Not gibt?! Nicht zuletzt dank ihrer Homepage Camchatca habe ich mich deshalb entschlossen, lieber einem gestrandeten WH nach besten Kräften ein schönes Leben zu bieten. Mir ist bei meinen Recherchen leider auch aufgefallen, dass es einige unseriöse ‚Tiervermittler' gibt, die Wolfshunde vermitteln. Darum wende ich mich auch (ausgerechnet) an sie mit ihrer langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet der WH-Haltung.
 
Nun unterwerfe ich mich ihrer Expertise bezüglich meines Vorhabens, sie nach besten Kräften durch Adoption oder Pflege bei ihrem tollen Engagement für Wolfshunde unterstützen zu wollen.
 
Gerne können sie mich per E-Mail oder nach Belieben auch telefonisch kontaktieren. Und wer weiß, vielleicht wartet ja bei ihnen schon ein WH, zu dem ich passen könnte 
Mit freundlichen Grüßen
 
Einen Telefonanruf und ein paar Whatsappnachrichten später, war Jangos neuer Besitzer unterwegs zu uns! Nach 7 Stunden Fahrt lernten wir uns endlich kennen. Und es war klar: das passt! 
Er hat ein paar Tage hier mit uns verbracht um jegliche Gewohnheiten und Manieren von Jango genauestens kennenzulernen und noch ein Erziehungspaket mit auf den Weg bekommen. Als wir alle das Gefühl hatten, dass die beiden nun echt ein Team geworden sind, haben sie sich auf den weiten, weiten Nachhauseweg gemacht... aus Rücksicht auf Jango dauerte der jetzt viel länger, mit dem Resultat, dass Jango nur zwei mal erbrochen hat.
 
Alles gute Jango! 
Wir vermissen dich!!!