Welcher Hund würde nicht jagen?

Das Jagdverhalten wird bei allen Caniden durch einen sehr einfachen Reiz ausgelöst: Ein sich schnell vom Tier weg bewegendes Objekt. Sehr gut kann man die Lust am Jagdverhalten fördern, indem man seinem Hund unreflektiert Bälle, Stöckchen oder Ähnliches wirft: Mit etwas ‚Glück‘ wird Lumpi dann demnächst auch Jogger, Fahrradfahrer, Autos, Lastkraftwagen, ICEs und zuletzt auch Weltraumraketen gerne jagen. Da Jagen eine sich selbst belohnende Handlung ist, muss man sich keine Sorgen machen, dass er damit wieder aufhört.

Wer also etwas gegen ein unkontrollierbares Jagdverhalten tun möchte, sollte rechtzeitig (also schon mit dem Welpen) üben, dass das Tier entweder nur auf ein bestimmtes Kommando hin jagt, sich beim Los-sprinten abrufen lässt, die Beute freiwillig hergibt oder Jagen ohne seinen Menschen einfach gar nicht für möglich hält. Jagdverhalten kann man nicht löschen nur kontrollieren! Frühzeitig begonnen, kann man all dieses mit freundlichsten Belohnungsverfahren etablieren -auch beim Wolfshund. Aber wehe, wenn der Hund einmal den 'Kick' der Jagd erlebt hat! Dann ist es umso schwerer ihn davon zu überzeugen, es wieder sein zu lassen. VIEL ERFOLG!!

Im übrigen sind Jagdverhalten und Aggressionsverhalten zwei unterschiedliche Dinge! Beim Jagdverhalten gibt es keine Kommunikation mit der Beute. Wozu auch? Ich muss auch nicht ‚sauer‘ auf meine Pizza werden um in sie reinzubeißen. Nur leider bestätigen Ausnahmen ja nun mal die Regel: wenn sich die Beute eines Terriers plötzlich wehrt und ihn angreift, läuft der nicht weg, sondern schaltet vom Jagdmodus in Aggressionsverhalten um...

Das Aggressionsverhalten dient in der Regel der Distanzvergrößerung bzw. deren Erhaltung. Ein Hund der eine Katze oder ein Kind knurrend bedroht, hat also nicht vor sie oder es zu fressen. Dass er trotzdem zubeißen kann/wird, sollte die kritische Distanz unterschritten werden, hat er deutlich angekündigt. Demnach ist Aggressionsverhalten ein sehr nützliches Verhalten bei so hochsozialen Lebewesen. 

Viele der herausgezüchteten Fertigkeiten bestimmter Jagdhunderassen entstammen der Handlungskette des Beutefangverhaltens des Wolfes:

Handlungskette Jagdverhalten

Um erfolgreich Beute zu finden, muss erstmal ihre Fährte gesucht werden. Dieses Fährtensuchen haben wir Menschen vor allem in den Laufhunden zum Beispiel dem Schweißhund perfektioniert (das Wort ‚Schweiß‘ entstammt hier dem Jägerlatein und bedeutet Blut).

Auch der Bloodhound ist ein so ausgeprägter, reiner Riecher, dass dessen Jagdinstinkt nach Aufstöbern der Beute quasi sofort erlischt und er sehr wahrscheinlich den von ihm Verfolgten eher freundlich abschlecken wird, anstatt sich in ihm zu verbeissen.

Weswegen sie heute sehr gerne zur Personensuche eingesetzt werden:

Das darauf folgende Anschleichen und Erstarren vor der Beute wird bei den Pointern am deutlichsten gezeigt:

Das Fixieren der Beute haben wir in den Hüte- und Treibhunden perfektioniert:

Beim Hetzen sind unsere Windhunde durchaus auch schneller als ihre Vorfahren unterwegs und können Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen: 

Auch heute gibt es noch einige Hunderassen die für Menschen zupacken müssen. Keiner wundert sich bei der Wildschweinejagd darüber, warum diese Hunde Saupacker genannt werden:

Für das Töten wurden die Terrier gezüchtet im übrigen auch der niedliche, kleine Jack Russel Terrier: