Warum das Leben mit Wolfhunden nicht nur aus Bildern besteht.

Die letzten Monate kämpfe ich wirklich oft mit mir. Ich habe meine Freundin verloren, ein Familienmitglied. 

Das Tier welches mich mit in seine Welt nahm und mir zeigte was es heißt ein logisch denkendes Tier zu sein. Kein Haustier und auch kein Hund. Und das mit gerade mal 27%!? Knapp 30% Wolfsanteil? Eine F4, aber das lernte ich alles erst später. "Lieber so ein Hund kommt in Wohnungshaltung, bevor er am Gartenzaun alles alleine regeln muss." 

Viele werden genau wie ich ganz bekannte Wolfhunde aus Facebook kennen. Mein erster war Hiro. Ich erzählte von ihm, von vielen die ich im Internet sah und wie ungeeignet ich wohl für so einen "Hund" bin. Sie sind im niedrigen Bereich. Alles kein Problem. Gehen mit in den Kindergarten, sind Menschen- und Familienfreundlich. 

Ich sagte der "Hund" soll das Gegenteil von meinem sein. Ruhiges und ausgeglichenes Wesen, selbstsicher. 

Hundesport ausser den Zughundesport wolle ich keinen mehr machen. 

Nach einem 2 stündigen Telefongespräch bei dem ich anschließend super euphorisch war ging es eine Woche später zum nur mal anschauen. Es waren noch genug Welpen übrig, verliebt habe ich mich aber schon auf dem Foto. 

Mein Mann und ich schauen uns trotzdem alle an, er hat keine Chance!

Irgendwie hatte ich ja schon ein komisches Gefühl - Mama kein Hund zum anfassen und so richtig Bock haben die Kleinen auch nicht auf uns. Wahrscheinlich hat sie noch am wenigsten Lust auf Kontakt. Wieder ein langes Gespräch und wieder bin ich trotz allem voll begeistert. Wenn ein Hund nicht gleich zu jedem rennt finde ich das auch echt wünschenswert. Die andere ist halt sehr freundlich, das nervt. 

Zuhause angekommen erstmal in diverse Wolf(s)hunde Gruppen rein. Fehler Nr. 1 - du hast keinen AWH, du hast einen F4 Supermix, ein bisschen TWH, ein bisschen Schäferhund, Saarloos, ein bisschen hiervon und davon eben. Ich habe das alles hingenommen und dann las ich auch einige der tollen Berichte. Aber mein Glaube ist unerschütterlich. Ich habe so viel erreicht also wird auch das prima. Eine Woche später holen wir unseren Wolf nach Hause. Sie jault im Auto. Machen normale Welpen aber auch. 

Der Hund wurde in den folgenden Monaten bei mir nie richtig stubenrein und hasste es immer ins Auto zu steigen. Das mal vorab. Hat mir aber auch nicht so viel ausgemacht. Sitz-Platz-Aus lernte sie echt schnell, einzig Futter war so ne Sache. Bekamen wir aber auch in den Griff, draußen war sie recht sicher und angenehm. Nur Menschen fand sie ziemlich ätzend, erst recht wenn sie auf uns zu kamen. Bemerkenswert war die "andere" Auffassungsgabe. Ich beobachte dich und dann weiß ich wie der Hase läuft. Damit meine ich sie öffnete alle Türen ohne Probleme, sie überwand kleine Hindernisse locker und sie wusste später auch wie man über den 1,40m Zaun geht. 

Auch hier erfuhr ich später wie das ganze wirklich ablaufen sollte. Meine Bereitschaft zu all diesen Schritten war allerdings um ehrlich zu sein nicht da und wenn wir ehrlich sind war nicht mal die Grundvoraussetzung bei uns gegeben. 

Dieses Tier hat nie gebellt, Aber hervorragend gejault. Wir haben das oft zusammen gemacht. Da war ein unsichtbares Band und wir haben einfach zusammengehalten. Wären da nur sie und ich gewesen, dann wäre nie ein Problem da gewesen. 

Wir waren aber nicht alleine. Da waren mein Partner und meine Mutter und beide mochte sie nicht wirklich. Die Mutter wurde plötzlich angeknurrt und mein Freund merkte nicht, dass er ins Visier genommen wurde um mal zu zu beißen. Mehrfach pinkelte sie auf seine Bettseite und mied ihn. Wir kamen leider beide an einen schwierigen Punkt, da sich das Verhalten mit 7/8 Monaten schon gravierend änderte. 

So gravierend, dass ich Angst um meine Familie und meine Hunde hatte. Denn plötzlich wurden kleine Hunde zum Zielobjekt, in den Nacken packen und schütteln. Wir möchten Kinder haben und für mich war klar, dass diese Kombination so nicht möglich wäre. Meine Althündin wurde zudem permanent penetriert und kam gar nicht mehr zu Wort. Suchte sie uns wurde sie abgedrängt. Ich war nervlich schon so am Ende, denn jetzt konnte ich sie draußen auch nicht mehr wirklich in die Freiheit entlassen. Wolfhunde springen wie Kängurus und wenn ihr Instinkt geweckt wurde ist ihr Wille unerbittlich. 

Im übrigen arbeitete ich Vollzeit, nachdem in der Wohnung mehrmals die Türen samt Schlüssel geöffnet wurden und Fensterbänke sowie jede Menge Mobiliar umdekoriert wurden gab es erstmal ein Hundezimmer, anschließend eine sehr große Box. 

Aus dem Auge lassen war später trotzdem sehr schwierig. 

Wer echte Hunde beim Spielen beobachtet sieht, dass sie etwas machen was zwar von der Natur vorgegeben ist, aber sie wissen nicht recht warum und der Spaß dabei geht nicht verloren. 

Wer einen Wolfhund sieht, der sich streckt, Den Kopf senkt fixiert und wie ein Panther schleicht, der alle Zeit bereit ist anzugreifen. Der weiß, dass es ein purer Instikt ist, das handeln eines wilden Tieres, welches keinerlei Interesse daran hat dir ergeben zu sein, oder zu gehorchen. Hierbei möchte ich nochmal betonen, dass es sich um einen Jungspund handelt, einen Jungspund im minimal Bereich - eine F4! Wenige Generationen nach dem Wolf gezogen, innerhalb von kürzester Zeit!

Diese Tiere sind erst deutlich später erwachsen und der Wille mit dir zu arbeiten wird immer winziger. Sie handeln einfach nur noch nach dem was sie treibt und anleitet. Der Drang zu laufen und zu Beute zu machen. 

Sie werden mit ihrem Geschlecht unverträglicher und akzeptieren dieses später in den wenigsten Fällen noch und tatsächlich wird es hier einen Anführer, einen Rudelchef geben, der mit anderen nicht kooperiert wenn sie ihm gefährlich werden könnten. 

Meine anderen Hunde weiter leiden lassen kam für mich nicht in Frage! Einen Zwinger, Untergrabungsschutz, höhere Zäune, gar die Trennung des Rudels nicht möglich. 

Zäune, um darauf noch einmal zurück zu kommen. Ein Wolfhund beobachtet alles sehr genau, Löcher in der Hecke, wie hoch ein Zaun ist und welche Wege Nachbars Katze verwendet. Das kapiert er sofort und in dem Moment ist der Schalter schon umgelegt, er kann wird und geht dem Jagdinstinkt nach und im Gegensatz zum Hund wird er versuchen das Objekt der Begierde zu töten. Und er wird dir zeigen, auch wenn er angeleint ist, dass er verdammt hoch springen kann und sich windet wie ein Aal um etwas zu erbeuten 

Ein Wolfhund ist kein optisches Objekt was man sich einfach mal zulegt und locker hält, es ist wie es der Name sagt ein Wolf! Er wird nie dein Diener, aber er wird dein bester Freund. Immer an deiner Seite sein. 

Sie wird immer mein Traumhund bleiben, wunderschön und faszinierend. Es hat mir das Herz gebrochen sie weg geben zu müssen, aber so haben wir wohlmöglich das schlimmste verhindert. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal in den Genuss kommen werde oder möchte solch ein Tier zu "halten". 

Ich werde vermutlich nie mit dem Gewissen zurecht kommen sie hergegeben zu haben, auch wenn ich weiß es geht ihr gut und ich hoffe wirklich es bleibt auch so. Man gibt kein Familienmitglied einfach ab, nur hätte jeder andere bei einer ernsten Beißerei den kürzeren gezogen und das wäre eben nicht das einzige Problem. 

Meine Erfahrungen in den letzten Jahren, waren sehr aufregend, aber psychisch sehr zermürbend. Ich habe verloren und das ist das allerschlimmste. Die Bindung eines Wolfhundes zu seinem Menschen ist eine ganz andere als die eines Hundes. Ihnen brichst du das Herz noch viel mehr. 

Sie ist jetzt bestimmt glücklich und mein menschliches Gewissen plagt mich. 

Ich kann nur jedem raten sich nichts schön reden zu lassen. 

Der Markt mit den "Supermixen" boomt nämlich. Zwar sagen sie kein Hund für jedermann, aber ist der Labrador für jederman geschaffen? Nein! 

Dein Wolfhund wird zu Anfang sehr hündisch sein können und wenn er ausgereift ist schlägt das in ihm durch was er ist, ein wildes Tier. Das heißt nicht, dass sich dieser Hund gegen dich richtet, aber er wird seinen Instinkten nachgehen wollen und du bist ihm egal. 

Damit spreche ich niemanden diesen Hund schlecht, aber es ist eine Herzensangelegenheit und eine riesen Verantwortung!

Man muss sich durchaus darüber im Klaren sein, dass man sehr wahrscheinlich einen Zwinger braucht, 2m hohe Zäune unter Umständen einen Übersprungschutz, Untergrabungsschutz, sowie ein großes Grundstück, denn es ist unter aller Sau zu meinen solchen Tieren Leinenausflauf bieten reicht.

Niemand darf sich einreden lassen, dass nur, weil wenig Prozente da sind die Wahrscheinlichkeit einen Hund zu haben groß ist. Dem ist nicht so. Es ist nicht davon abhängig! 

Darüber hinaus sind Kinder, Familie und Freude echt schwierig. Arbeit auch. Ausserdem wollen sie keine gleichgeschlechtlichen Partner. Ich betone nochmal meine war nicht mal ein Jahr alt und es hat trotzdem gewaltig gekrieselt. Sie verzeihen es dir nicht wenn du sie unter Druck setzen willst. Das musste mein Partner in seinem eigenen Bett erfahren und sie sind Tiere. 

Ich bitte alle darum sich ein eigenes realistisches Bild zu machen. Jemand der euch erzählt, dass die Hunde im Haus, völlig komplikationslos gehalten werden und sie problemlos zu integrieren sind wird euch nicht die Wahrheit sagen. Jemand der jährlich mit seiner Hündin einen Wurf macht oder mit mehreren gar mehrere ist ein Produzent, kein Züchter. Etwas derartiges als normal und okay zu erachten, gar noch zu loben ist heuchlerisch. Wer unter den Deckmantel der Mafia blickt wird schnell sehen wem seine Tiere lieb und teuer sind. 

Ich habe meinen Wunsch über schlechte Gefühle und Menschenverstand gestellt. Ich war so geblendet, dass ich nicht weiter hinter die Fassade gesehen habe und ich habe mir alles schön reden lassen.

Ich wünsche jedem, dass er einfach nur alles mit klaren Augen betrachtet! 

Ein Wolfhund ist kein Problem, er ist eine Einstellungssache, hast du keine Erwartung und kannst du offen sein gewinnst du ganz sicher. 

Ich wollte am Ende jedenfalls keine Hilfe mehr und ich konnte dem ganzen auch nicht mehr zusehen.