Das war gestern noch nicht da!

Während Hunde in der Lage sind, sich an städtische Umgebungen und menschliche Konzepte anzupassen, haben Wolfshunde in der Regel viele Merkmale, die sie daran hindern, sich reibungslos in anthropogene Lebensräume einzufügen.

In unbekannten, unheimlichen Situationen neigen viele Wolfshunde dazu, ausgesprochen skeptisch bis scheu zu reagieren, einige zeigen in unangenehmen Situationen ausgeprägte Fluchttendenzen, sie versuchen, wegzulaufen oder sich zu verstecken. Durch ihre angeborene, bei Wölfen und anderen Wildcaniden natürliche Scheu, ist es gerade bei höherprozentigen wahrscheinlich, dass einmal erlernte Strategien in Kombination mit genetisch manifestiertem Verhalten sie daran hindern, neue Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln.

Neophobie findet nicht nur in sozialen Situationen statt, sondern wird ebenso in Bezug auf neue Objekte und unbekannte Orte gezeigt - die Tiere reagieren gestresst, fühlen sich sichtlich unwohl oder werden panisch, wenn sie mit Neuem konfrontiert werden. 

Dieses Verhalten ist nicht bei allen Wolfshunden gleich stark ausgeprägt - vor allem Rassewolfshunde (Tschechoslowakische Wolfshunde und Saarloos Wolfhunde) sind oftmals stabil und hündisch in ihrer Reaktion auf Unbekanntes, aber vor allem hochprozentige oder Wolfshunde, die wenige bis starke Defizite in der Aufzucht und Umweltgewöhnung aufweisen, reagieren im Gegensatz zu den meisten Hunden panisch auf neue Reize.

Das neophobische Verhalten, wie auch jedes andere instinktive Verhalten, kann reguliert, aber nicht disestabliert werden; es wird immer vorhanden sein, manchmal in einer milden, manchmal in einer starken Ausprägung.

Wolfshunde können verschiedene Konfliktlösungsstrategien unter kontrollierten Bedingungen und in ihrer natürlichen Umgebung zeigen, haben jedoch nur sehr wenige Strategien in städtischen Umgebungen oder erschreckenden Situationen - meist wählen sie direkte Fluchtreaktionen (wegrennen, verstecken) oder indirekte Flucht (erstarren).

Hunde hingegen zeigen eine Vielzahl von integrativen Konfliktvermeidungsstrategien, die es ihnen ermöglichen, sich an neue Situationen anzupassen und ihr Verhalten zu modulieren - sie können sich mit Menschenmengen auseinandersetzen, sie können leicht mit neuen Menschen in Kontakt treten, zeigen nur wenige Probleme in Städten und können oftmals deutlich besser an einen Besitzerwechsel gewöhnt werden - Wolfshunde und andere Wildcanidenmischlinge können ihr Verhalten hingegen nur sehr begrenzt anpassen. Oftmals ist die einzige Möglichkeit für ein erfolgreiches Zusammenleben, sich an ihre Bedürfnisse anzupassen und sein Leben nach dem Vierbeiner auszurichten.