Der amerikanische Wolfshund

'Amerikanischer Wolfhund' ist irgendwie zu einem Sammelbegriff geworden, für all diejenigen, die mit ursprünglich aus Amerika eingeführten Hybriden und/oder deren Nachkommen Tiere züchten wollen, um wieder möglichst viel Wolfoptik zu haben!

Um das Ego aufzupolieren oder um etwas Geld zu verdienen, möchte man meinen... viel Sinn macht es schließlich nicht, wieder zum Urtier zurück zu züchten, da sich diese Tiere im schlimmsten Fall auch wieder so verhalten, wie ein wildes Tier!

Um einen echten Wolf zu halten, braucht man selbstverständlich Genehmigungen und muss bestimmte Haltungsbedingungen erfüllen! Mit diesen rückgezüchteten Tieren jedoch kann man solche Genehmigungen umgehen!

Das widerspricht jedoch jeglicher Liebe zu diesen wundervollen Geschöpfen!!!

Der Wolf ist in Deutschland gemäß § 10 Abs. 2 Nr. 11 a BNatSchG eine streng geschützte Art und so auch die Hybriden einschließlich der F4 Generation (vierte Folgegeneration -je höher die Zahl, desto mehr Generationen vom reinen Wolf entfernt).

Dieses Gesetz basiert auf der Annahme, dass, nachdem es zu einer Hybridisierung gekommen ist, im weiteren Verlauf der 'Zucht' nur mit Hunden weitergekreuzt wird. Dadurch wird der prozentuale Wolfsanteil natürlich immer geringer in den Nachkommen.

Bei den amerikanischen Wolfshunden, hat man aber mit Tieren, die ebenfalls einen hohen Wolfsanteil haben weitergezüchtet und so kann man auch mehr als vier Generationen nach dem REINEN Wolf einen Wolfshund erschaffen, der tatsächlich mehr Wolfsanteil hat, als ein Tier, dass einen reinen Wolf zur Mutter hat, jedoch einen Schäferhund zum Vater. Rein rechnerisch (!) hat dieser Halbwolf ja ‚nur' 50% Wolfsanteil.

Man unterscheidet zwischen 'low content‘ (ganz geringer Wolfsanteil 1-39%), 'mid-content‘ (nah am Halb-Wolf, ca. 40-74%) oder 'high-content‘ (Hauptanteil Wolf, 75-98%). Was nichts mit der Generationenfolge nach dem Wolf zu tun haben muss!

Achtung Mathematik!

Wenn in einen F1 Halbwolf/Halbhund (also 50%) wieder ein ganz reiner Wolf eingekreuzt wird, sind deren Nachkommen ebenfalls wieder F1(klar) aber sie haben dann wieder 75% Wolfanteil!

(50+100=150 und 150:2=75)!

Wenn ich nun eines dieser 75%igen Tieren mit einem weiteren 75%igem Tier verpaare, sind die Nachkommen 'nur noch‘ F2 aber (!) bleiben bei 75%…

(75+75=150 und 150:2=75)

...will ich das Spiel nun weitertreiben, kreuze ich den 75%igen Wolfshund wieder mit einem reinen Wolf (100%), dann sind die Nachkommen zwar wieder F1 (weil ja nur eine Generation nach dem echten Wolf), haben aber jetzt 87,5% Wolfsanteil!

Wenn ich diese dann jedoch wieder mit einem 75%igen Tier verpaare, habe ich plötzlich F2 mit 81,25%!

Nun kann ich fröhlich mit solchen Tieren weiterzüchten, ohne jemals wieder einen reinen Wolf einzukreuzen, ich behalte hochprozentige Tiere, die aber so viele Folgegenerationen vom echten Wolf entfernt sind, dass deren Haltung legal ist!

Leider!!!

Ein Beispiel!

In Sibirien wurde in den 50er Jahren von russischen Biologen ein Forschungsprojekt gestartet um herauszufinden, wie der Wolf zum Hund wurde. Die forscher wollten die Domestikation und ihre Folgen beweisen. Das ist ihnen gelungen!

Sie haben mit Silberfüchsen gezüchtet. Wie vermutlich vor Jahrhunderten mit den Wolf geschehen, haben die die Biologen immer nur solche Tiere verpaart, die am zahmsten waren. Und siehe da: nicht nur ihre Zutraulichkeit hat sich so verstärkt, sondern auch das Aussehen: Die Tiere haben buschigere Schwänze bekommen, bei einigen Tieren traten sogar Schlappohren auf und auch die Farbe des Fells begann zu variieren. 

Das ist quasi, das gleiche was mit diesen Wolfhunden (siehe oben) seit einigen Jahrzehnten unfreiwillig bewiesen wird… nur umgekehrt! Je mehr diese Wolfhunde optisch wieder dem Wolf gleichen, desto un-domestizierter ihr Verhalten!

Nun überlege man sich gut, ob ein 89,34675% Wolfshund der ein F23 auf dem Papier ist, wirklich in einer 5 Zimmer Mietwohnung mit Balkon oder auch 230 qm Garten am Rande von Irgendwashausen in schöner Waldnähe wirklich eine gute Idee ist! Egal was die Züchter sagen!

Man tut diesen Tieren keinen Gefallen und vor allem sich selbst auch nicht!!!

Jeder, der sich dafür interessiert, ist herzlich eingeladen, bei uns solche und ähnliche Tiere kennenzulernen! Wir haben hier nichtmal sog. hochprozentige (highcontent) Tiere, dennoch haben wir hier zur Zeit (2019) Wolfhunde, bei denen klitzekleine Kleinigkeiten in der Aufzucht schiefgelaufen sind und schon sind sie keine Hunde mehr und sind nur in Gehegen zu halten!

Es gibt Menschen, die glücklich von ihrem Leben mit ihrem amerikanischen Wolfshund berichten! Achten Sie darauf, wie alt die Tiere dieser Menschen sind und wie sie dort gehalten werden! Spätestens mit dem erreichen der Geschlechtsreife (manchmal erst mit vier Jahren) kann es unbequem werden! Die Probleme die der Halter eines normalen Hundes in dessen Pubertät haben kann, sind für viele Menschen schon kaum zu ertragen...

Überlegen Sie es sich gut! Und lernen Sie unbedingt solche Tiere kennen! Machen Sie sich selber ein Bild! Schauen Sie sich verschiedene Züchter an! Schauen Sie genau hin! Wenn ihr Garten aussehen darf, wie die Kraterlandschaft auf dem Mond und Sie keine teuren Möbel oder gar Teppiche brauchen... und wenn sie 24 Stunden am Tag zu Hause sind -das ganze Jahr über! Ach ja und sie sollten keine Nachbarn haben... die können ganz schön laut heulen die Wolfhunde!

Voraussetzungen zur Haltung

Alle Caniden sind hochsoziale Lebewesen und eine Einzelhaltung ist nicht zu empfehlen. 

Ein hochprozentiger Wolfshund wird  'Alleinebleiben' nicht verstehen und alles versuchen das zu ändern. Möchte man ein aufgeschlossenes Tier haben, sollte man möglichst von klein auf täglich viel Zeit mit ihm verbringen. Je weniger Zeit man mit dem Tier verbringt und je höher prozentiger es zudem ist, desto mehr neigt es zur Verwilderung! 

Eine Gruppenhaltung ist tatsächlich nur begrenzt möglich, spätestens mit dem Erreichen der Geschlechtsreife (beim AWH manchmal erst ab vier Jahren) ist es mit dem Frieden unter gleichgeschlechtlichen Tieren vorbei... 

Eine Pärchenhaltung ist optimal und sollte man züchten, ist es für die Tiere absolut sinnvoll, so lange bei ihren Eltern zu bleiben, bis sie abwandern würden...

Eine absolute Alleinlage des Hauses ist durchaus wünschenswert, es sei denn die Nachbarn sind taub! Amerikanische Wolfshunde heulen! Laut! Auch mitten in der Nacht! Rücksichtslos!

Doppelstabmatten-Zaun oder Stahlmaschendraht ist empfehlenswert mindestens (!) 2,40m hoch - gerne mehr!Oben sollte der Zaun nach innen abgeschrägt (Übersprungschutz) und mit Strom verstärkt sein!  

Herkömmlichen Wildschutz- oder Maschendrahtzaun können sie einfach durchbeißen! Ein Zaun ohne Querstäbe schützt ebenfalls vor dem Überklettern, da Wölfe aber eher versuchen unter einem Hindernis durch, als darüber zu gelangen, sollte man unbedingt einen Untergrabschutz einbauen von mindestens 40 cm, besser einen Meter, tief am Zaun entlang oder das komplette Gehege 'unterzäunen'. 

Das Gehege sollte mindestens 300qm haben, je nach Offenheit des Tieres! Bei einem zu großen Gehege neigen die Tiere ebenfalls schnell dazu zu verwildern! Am besten ist es einen Zugang zum Haus direkt vom Gehege aus zu haben und dem Tier diesen auch so oft wie möglich zu gewährleisten. Katzen werden einen amerikanischen Wolfshund im Haus nicht überleben und Kinder unter 12 Jahren sind ein Risiko! 

Wenn man frühzeitig 'fremde' Menschen involviert, können diese die Tiere eventuell während einer Abwesenheit versorgen -eine Tierpension, die solche Tiere aufnimmt, wird sich kaum finden lassen und es wäre auch ein unzumutbarer Stress für das Tier!